Klosterwanderweg

Das Kloster Wöltingerode ist ein ehemaliges Benediktiner- bzw. Zisterzienserinnenkloster. Es liegt im nördlichen Harzvorland im Nordwesten von Vienenburg. Hier finden Sie u.a. ein Klosterhotel mit Restaurant sowie eine traditionelle Korn-Brennerei. Der Name Wöltingerode tauchte erstmals im Jahre 1109 in einer Urkunde Heinrichs V. auf, welche einen Graf Ludolf I. von Wöltingerode erwähnt. Drei der Söhne dieses Grafen gründeten 65 Jahre später das zunächst nach den Regeln des Heiligen Benedikt geführte Kloster Wöltingerode. Bereits im Jahre 1188 erfolgte die Umwandlung dieses Benediktinerklosters in ein Kloster für Zisterzienser-Nonnen. Das Gotteshaus des Klosters wurde im Jahre 1208 erstmals urkundlich erwähnt. Die heute noch vorhandene Anordnung der Bauwerke sowie deren Ausmaße stammen ebenfalls aus dieser frühen Epoche. Noch in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erlebte das Kloster Wöltingerode seine erste Blütezeit. Auf Grund der außerordentlichen Beliebtheit des Klosters wurden in dieser Zeit außerdem mehrere Zweigstellen in anderen Orten gegründet. Am Anfang des 14. Jahrhunderts verarmte die einstmals so freigiebige Gründerfamilie und starb bald darauf aus. Damit begannen schwierige Zeiten auch für das Kloster Wöltingerode. Nach Überwindung der wirtschaftlichen Engpässe erlebte es aber eine zweite Blütezeit im 15. Jahrhundert. Vom Beginn der Reformation bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges durchlebte das Kloster eine lange wechselvolle und unruhige Epoche. Es wurde zum Spielball der Mächtigen und je nach dominierendem Einfluß der neuen lutherischen oder der traditionellen katholischen Lehre unterworfen. Innerhalb eines Jahrhunderts erfolgte ein mehrfacher Wechsel der Konfession. In der Zeit von 1643 bis 1803 war das Kloster Wöltingerode wieder durchgängig katholisch. Nach einem verheerenden Feuer im Mai des Jahres 1676 begann ein langanhaltender Wiederaufbau der Anlage mit zahlreichen Erweiterungen und Umgestaltungen. Eine von diesen war die Errichtung einer Kornbrennerei im Jahre 1682. Mit dem Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gelangte das Kloster Wöltigerode an Preußen und wurde wenig später Bestandteil des napoleonischen Königreichs Westphalen. Bald nach Beendigung der französischen Fremdherrschaft wurde es in den Allgemeinen Hannoverschen Klosterfond überführt und noch heute von dessen Nachfolger verwaltet. Seit dem Jahre 1929 ist Wöltingerode ein Teil der Stadt Vienenburg. Im 20. Jahrhundert nutzte man die Klostergebäude für mehr als sieben Jahrzehnte als Schule. Die alten Gemäuer wurden in den 1970er Jahren umfangreich renoviert. In unseren Tagen gehört das Kloster Wöltingerode zu den bedeutendsten Attraktionen im nördlichen Harzvorland. Sie können in Eigenregie einen Rundgang durch das Klostergelände durchführen und außerdem an bestimmten Tagen die traditionsreiche Klosterbrennerei besichtigen. Dort werden Sie in die Geheimnisse der Spirituosenherstellung eingeweiht und erhalten anschließend die Gelegenheit, diese Produkte uralter Technik und Handwerkskunst zu verkosten. Das Kloster Wöltingerode ist außerdem eine Station auf dem Harzer Klosterwanderweg.

Das Kloster Grauhof mit seinem in Norddeutschland einzigartigen markanten Kirchenbau im Stil des Barock gehört zu den großen Sehenswürdigkeiten des nördlichen Harzvorlandes bei Goslar. Als im Jahre 1711 mit dem Bau des Gotteshauses begonnen wurde, blickte das Augustiner-Chorherrenstift St. Georg bereits auf eine langjährige Geschichte zurück. Begonnen hatte alles um das Jahr 1025, als Kaiser Konrad II. das Stift auf dem Georgenberg am Rande der Stadt Goslar gründete. Der heutige Standort war im Mittelalter ein landwirtschaftlicher Gutshof dieses Chorherrenstiftes. Während dieses den Bauernkrieg glimpflich überstanden hatte, wurde es zwei Jahre später im Zuge einer Auseinandersetzung zwischen der Stadt Goslar und dem Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel zerstört. Man verlegte darauf hin das Augustinerkloster in das einstige Vorwerk und baute dieses zum neuen Kloster aus. In den Wirren der Zeit vor und während des Dreißigjährigen Krieges wechselte mehrmals die Bestimmung der baulichen Anlage. Im Jahre 1569 zog eine protestantische Lateinschule in die Klostergebäude ein, welche bis 1643 Bestand hatte. Anschließend wurde der Ort wieder zur Wirkungsstätte der Augustiner. Mit der Enteignung dieses Kirchenbesitzes im Jahre 1803 endete auch die Ära der Mönche im Kloster Grauhof. Heute untersteht das ehemalige Augustiner-Chorherren-Stift St. Georg der Klosterkammer Hannover. Die innerhalb von sechs Jahren nach Plänen des norditalienischen Baumeisters Francesco Mitta am Standort eines Vorgängerbaus errichtete Stiftskirche ist dank des mehr als 30 Meter hohen Turmes schon aus größerer Entfernung gut zu erkennen. Das Innere des in den Jahren 2008 und 2009 umfangreich sanierten Gotteshauses erstrahlt in opulenter barocker Pracht. Eine Besonderheit stellt außerdem die in den Jahren 1734 bis 1737 vom Orgelbauer Christoph Treutmann d. Ä. erschaffene Orgel auf. Sie ist noch weitestgehend im Original erhalten und zählt zu den größten und schönsten Barockorgeln im Norden Deutschlands. Das Gotteshaus des ehemaligen Chorherrenstifts kann von Montag bis Freitag von 10 Uhr bis 14 Uhr besichtigt werden (außer an Feiertagen). Am Kloster Grauhof beginnt außerdem der Harzer Klosterwanderweg, welcher Sie bis ins 64 Kilometer entfernte Kloster Wendhusen in Thale führt.

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Das Breite Tor war im Spätmittelalter das bedeutendste Stadttor von Goslar. Es wurde im Jahre 1443 errichtet und in der Folgezeit zu einem Bollwerk ausgebaut, welches so manche gewöhnliche Burganlage in den Schatten stellte. Die Ausführung des Breiten Tores erfolgte als Doppeltor – vor dem noch heute vorhandenen inneren Tor stand ein äußeres Tor, welches wiederum von zwei großen Türmen flankiert wurde. Zwischen diesen beiden Toren befand sich die Kaserne für die Torwächter, ein Bauwerk, welches in unserer Zeit unter dem Namen \“Werderhof\“ bekannt ist. Ein Grund für den massiven Ausbau des Breiten Tores war die Tatsache, daß die zum Stadttor hinführende Straße aus der Richtung kam, in welcher sich das Territorium des Herzogs von Braunschweig-Wolfenbüttel befand. Mit diesem lag die Stadt Goslar seinerzeit im Streit. Des Weiteren war ein Stadttor generell ein Schwachpunkt in der Verteidigungsanlage einer mittelalterlichen Stadt, und Goslars Wohlstand lockte naturgemäß auch viele unliebsame Zeitgenossen an. Im 18. und 19. Jahrhundert hatte die Stadtmauer mitsamt ihren Toren ihre Verteidigungsfunktion vollständig eingebüßt und wurde zum Teil abgetragen. Diesem Abriß fielen auch das äußere Breite Tor und einer der mächtigen Türme zum Opfer. Heute stehen von der gewaltigen Anlage nur noch das innere Tor, die ehemalige Kaserne (der Werderhof) sowie der Rieslingsturm genannte nördliche Turm des äußeren Tores. Durch das Breite Tor führt heute eine öffentliche Straße. Im Rahmen einer Stadtführung kann auch das Innere des Bauwerks besichtigt werden.

Die Neuwerkkirche befindet sich im Nordwesten der historischen Altstadt von Goslar. Eingebettet in eine parkähnlichen Landschaft steht sie direkt neben der ehemaligen Stadtmauer unweit des Bahnhofs. Der Baubeginn der im Stil der Romanik errichteten dreischiffigen kreuzförmigen Basilika lag in den 80er Jahren des 12. Jahrhunderts. Im Jahre 1186 wurde der Hauptaltar geweiht, für das gesamte Bauwerk wird die Bauzeit bis zur Vollendung auf ca. 100 Jahre geschätzt. Ursprünglich war die Neuwerkkirche eine Klosterkirche. Im zugehörigen Kloster lebten Nonnen des Zisterzienser- und später des Benediktinerordens. Zu diesem Kloster gehörte ein umfangreicher Besitz an Wald und Erzgruben, welcher die Versorgung der Frauen sicherstellte. Nach der Reformation wurde das Kloster in ein evangelisches Damenstift umgewandelt, welches bis zum Jahre 1969 bestand. Heute dient die Neuwerkkirche als Gemeindekirche für die Goslarer Neuwerk-Gemeinde. Im Laufe der Jahrhunderte hat die Neuwerkkirche keine nennenswerten Umbauten erfahren. Sie ist somit bis heute praktisch unverändert erhalten, was für ein Bauwerk der Romanik eine Seltenheit und Besonderheit darstellt. Sehenswert sind in der Kirche die byzantinischen Malereien im Chorraum sowie die schönen Steinmetzarbeiten im Inneren sowie außen an der Apsis. Die Neuwerkkirche kann von März bis Dezember jeweils von Montag bis Samstag zwischen 10 Uhr und 12 Uhr sowie täglich zwischen 14 Uhr 30 und 16 Uhr 30 besichtigt werden.

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Die Marktkirche St. Cosmas und Damian ist die Ratskirche und evangelische Hauptpfarrkirche der Stadt Goslar. Ihre Namensgeber sind die beiden Heiligen Cosmas und Damian – zwei frühchristliche Ärzte, welche im 3. Jahrhundert in Kleinasien viele wundersame Heilungen von Kranken vollbracht haben sollen. Aus diesem Grund gelten Cosmas und Damian auch als Schutzheilige der Kranken, der Ärzte sowie der Apotheker. Die inmitten der historischen Altstadt von Goslar stehende kreuzförmige romanische Pfeilerbasilika wurde im Jahre 1151 erstmals urkundlich erwähnt. Vermutlich stammt der zentrale Teil des Bauwerks aber bereits aus dem 11. Jahrhundert. Besonders markant ist der bollwerkartige Westteil der Marktkirche mit den zwei ungleichen Türmen. Ursprünglich hatten beide das selbe Aussehen, doch der Nordturm brannte im Jahre 1589 aus und wurde anschließend als offene Ausführung wiederhergestellt. Dieser Nordturm ragt 66 Meter in die Höhe, der Südturm ist 60 Zentimeter kleiner. Im Nordturm befand sich einst die Türmerstube und bis zum Jahre 1904 saß dort ein Beobachtungsposten, welcher vor allem mögliche Brände in der Stadt frühzeitig erkennen sollte. Über mehr als 200 Treppenstufen ist der Nordturm für Besucher begehbar. Von oben haben Sie einen herrlichen Rundumblick auf die gesamte Altstadt von Goslar und deren unmittelbare Umgebung. Im Turm können Sie außerdem die aus dem Jahre 1848 stammende Turmuhr besichtigen sowie die zweitgrößte Kirchenglocke Niedersachsens. Diese trägt den Namen \“Johanna\“, wiegt mehr als 6,8 Tonnen und weist einen Durchmesser von stattlichen 2,11 Meter auf. In der Marktkirche St. Cosmas und Damian finden Sie zahlreiche farbenprächtige Glasfenster vor. Auf diesen werden u.a. Szenen aus dem Leben und Wirken der beiden Heiligen dargestellt, welche schließlich der Christenverfolgung im Römischen Reich zum Opfer fielen. Sehenswert sind im Inneren des Gotteshauses außerdem ein von Putten getragenes Taufbecken aus Messing aus dem 16. Jahrhundert sowie ein aus dem Jahre 1659 stammender kunstvoller Hochaltar mit Szenen aus dem Ostergeschehen.

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Zur Kaiserpfalz gehörten ursprünglich neben dem Kaiserhaus u.a. die Kapellen \“St. Ulrich\“ und \“Liebfrauen\“, das Stift mit der Stiftskirche \“St. Simon und St. Judas\“ (meist auch als \“Dom\“ bezeichnet) sowie zahlreiche weitere religiöse und andere Bauwerke. Die erste Kaiserpfalz wurde in den Jahren 1005-1015 von Kaiser Heinrich II. erbaut. Unter Konrad II. und Heinrich III. wurde das Kaiserhaus in der Zeit von 1039 bis 1056 vollendet und erhielt sein heutiges Aussehen. Über 150 Jahre lang war die Goslarer Pfalz die bedeutendste im Deutschen Reich. Der Saal im Obergeschoß ist der größte jemals in Deutschland erbaute Kaisersaal. Insgesamt 23 glanzvolle Reichstage wurden hier abgehalten, der letzte 1219. Im Jahre 1253 war letztmalig ein Kaiser in der Kaiserpfalz anwesend. Danach begann die Anlage langsam zu verfallen. Die Ruine der Kaiserpfalz wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts komplett restauriert. Nach der Reichsgründung im Jahre 1871 erhielt die Kaiserpfalz den Rang eines Nationaldenkmals. In ihrem Inneren wurden in diesem Zusammenhang wandfüllende historische Malereien angebracht. Sie sollten die ideelle Verbindung des neuen deutschen Kaiserreiches mit dem mittelalterlichen Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation symbolisieren. Aus dieser Zeit stammen auch die Nachbildung des Braunschweiger Löwen und die beiden Reiterstatuen. Diese stellen Friedrich I. (Barbarossa) und Wilhelm I. dar. Die architektonisch einmalige St. Ulrich-Kapelle war die \“Hauskirche\“ der deutschen Kaiser. Sie wurde im 12. Jahrhundert erbaut und hat einen achteckigen Grundriß. In ihrem Erdgeschoß wird bis zum heutigen Tag das Herz Heinrich III. in einer vergoldeten Metallkapsel aufbewahrt. Sehenswert sind außerdem die nach römischem Vorbild erbaute Fußbodenheizung im Erdgeschoß sowie der Thron der ersten deutschen Kaiser. Dieser besitzt aus Bronze gegossene Lehnen und stammt aus der Zeit Heinrichs IV.. Zuletzt wurde er im Jahre 1871 von Kaiser Wilhelm I. bei der Neugründung des Deutschen Reiches verwendet. Die Kaiserpfalz kann im Rahmen einer Führung, aber auch ganz individuell besichtigt werden.

Ein bedeutendes Bauwerk an der Straße der Romanik ist das ehemalige Benediktinerkloster \“St. Peter und Paul\“ in Ilsenburg. Bereits im 10. Jahrhundert stand an dieser Stelle eine Reichsburg und ottonische Jagdpfalz. Im Jahre 1003 verschenkte Heinrich II. diese Jagdpfalz an die Kirche von Halberstadt. In den Folgejahren wurde die Pfalz in ein Benediktiner-Mönchskloster umgewandelt. Von 1078 bis 1087 erfolgte der (Neu-)Bau der Klosterkirche als kreuzförmige Basilika. Schon zu dieser Zeit befanden sich in dem Kloster eine bedeutende Bibliothek und eine Klosterschule. Im Verlauf des 12. Jahrhunderts wurde in die Klosterkirche ein Gipsestrichfußboden mit biblischen Darstellungen in spezieller Ritztechnik eingebaut. Dieser hochmittelalterliche Fußboden konnte durch die Jahrhunderte hinweg in wesentlichen Teilen erhalten werden und stellt in unserer Zeit eine Einmaligkeit in ganz Europa dar. Am 1. Mai des Jahres 1525 wurde das Kloster während des Bauernkrieges durch aufständige Bauern erstürmt und teilweise zerstört, aber später wieder aufgebaut. Der Reformation schloß sich das Kloster im Jahre 1547 mit der Einrichtung einer neuen Klosterschule an. Ihre heutige Gestalt erhielt die Klosterkirche in der Zeit zwischen 1573 und 1581. Seit dem Jahre 1609 wurde der Klosterkomplex zum Wohnsitz der Familie der Grafen zu Stolberg-Wernigerode. Diese stattete um 1700 den Chorraum der Kirche u.a. mit einem Hochaltar und der Kanzel aus. Heute gehört dieser Hochaltar aus Lindenholz mit seiner barocken Schnitzkunst zu den besonderen Attraktionen der Klosterkirche. In den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts erfolgte eine Teilsanierung der Klostergebäude im Stil der Neoromanik mit Umbau zum Schloss. Dabei entstand auch eine schöne Parkanlage im näheren Umfeld. Der Schlosskomplex wurde 1929 an die evangelische Kirche vermietet und in den Nachkriegswirren des Jahres 1945 geplündert. Nach kurzzeitiger Enteignung erhielt die evangelische Kirche 1946 das Schloss zurück. Ab dem Jahre 1967 nutzte der Staatssicherheitsdienst der DDR den Gebäudekomplex. Von 1975 bis 1990 war das ehemalige Kloster ein Erholungsheim für Urlauber und wurde in den 1990er Jahren als Hotel weitergeführt. Im Jahre 2000 übernahm das einstige Benediktinerkloster \“St. Peter und Paul\“ die Stiftung \“Kloster Ilsenburg\“, zunächst unter dem Vorsitz von Maria Fürstin zu Stolberg-Wernigerode. Sie können die Klosterkirche und das Kloster täglich von 10 bis 17 Uhr im Rahmen einer Führung besichtigen. Das Außengelände ist in der Zeit zwischen 8 Uhr und 20 Uhr für jedermann frei zugänglich. Die Klosterkirche bietet außerdem Raum für zahlreiche kulturelle und religiöse Veranstaltungen wie z.B. Konzerte, Puppenspiele und Ausstellungen sowie Gottesdienste, Trauungen und Taufen.

In Drübeck am Nordrand des Harzes befinden sich die Gebäude und Gartenanlagen eines ehemaligen Nonnenklosters mit mehr als 1000jähriger Geschichte. Die Anfänge dieses Klosters verlieren sich im historischen Dunkel des ersten Jahrtausends. Eine damit einhergehende unsichere Faktenlage begünstigte die Legendenbildung. So soll die Gründung des Klosters Drübeck angeblich während der Herrschaft des Ostfrankenkönigs Ludwig III. durch die Heilige Adelbrin erfolgt sein. Diese um das Jahr 900 verstorbene Frau war der nicht mehr verifizierbaren Überlieferung nach die erste Äbtissin des Benediktinerinnenklosters. Vorhandene Dokumente aus dieser Ära werden in unseren Tagen als Fälschung eingestuft. Daher gilt als erste urkundliche Erwähnung heute eine Schenkungsurkunde von König Otto I. aus dem Jahre 960. Das Kloster Drübeck besaß bereits im späten 10. Jahrhundert weitreichende Privilegien. Die erste, dem heiligen Vitus (Veit) geweihte Klosterkirche wurde um das Jahr 1000 erbaut – möglicherweise am Standort eines einfacheren und kleineren Vorgängerbaus. Von diesem ottonischen Gotteshaus, einer dreischiffigen und flachgedeckten Basilika, sind noch einige wenige Fragmente innerhalb des heutigen Bauwerks vorhanden. Im 11. Jahrhundert erfolgten erste Erweiterungen an der Klosterkirche und um das Jahr 1135 umfassende Umgestaltungen im Inneren sowie diverse Anbauten, u.a. das eindrucksvolle Westwerk mit den beiden markanten Türmen. Die Klosterkirche St. Vitus in Drübeck präsentiert sich dem Betrachter heute in einem Bauzustand, welcher dem der damaligen Zeit recht nahe kommt. Das Gotteshaus gehört damit zu den bedeutendsten romanischen Bauwerken sowie den ältesten erhaltenen Gebäuden im nördlichen Harzvorland. Das Benediktinerinnenkloster mußte während des Bauernkrieges schwere Zerstörungen hinnehmen. Im Jahre 1599 stürzte außerdem nach einer Brandstiftung das Mittelschiffgewölbe der Klosterkirche ein. Weitere durch diese Katastrophe baufällig gewordene Teile wie das nördliche Seitenschiff, das Nordquerhaus und Chornebenräume mußten in der Folgezeit abgerissen werden. Bald darauf erfolgte der Neubau des Chores mit einigen Elementen im Stil der Spätgotik. Diese Ereignisse sowie der Dreißigjährige Krieg verursachten einen vorübergehenden Niedergang des Klosters Drübeck. Ein erneutes Aufblühen setzte ab dem Jahre 1687 nach dem Besitzerwechsel hin zu den Grafen zu Stolberg-Wernigerode ein. In den folgenden Jahrzehnten gab es umfangreiche Sanierungsarbeiten an den Konvent- und Wirtschaftsgebäuden des Nonnenklosters. Außerdem wurden zahlreiche Gärten rund um die Klosterbauwerke angelegt und um 1730 eine noch heute vorhandene Sommerlinde im Klosterhof angepflanzt. Dieser inzwischen fast 300 Jahre alte Baum weist einen Stammumfang von beinahe sechs Metern auf und stellt in unseren Tagen ein bedeutendes Naturdenkmal dar. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges erfolgte die Auflösung des Damenstiftes in Drübeck. In den 1950er Jahre gab es umfangreiche Bemühungen, das Gotteshaus soweit wie möglich wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen. Weitere komplexe Sanierungsarbeiten fanden in den 1990er Jahren statt. Heute befinden sich auf dem einstigen Klostergelände u.a. ein Gästehaus und ein Bildungszentrum der evangelischen Kirche. Das Kloster stellt außerdem eine Station auf der Straße der Romanik sowie auf dem Harzer Klosterwanderweg dar. Die Gartenanlagen des Klosters Drübeck sind darüber hinaus Teil des Projektes \“Gartenträume\“, welches historische Parks in Sachsen-Anhalt miteinander verbindet.

Im Wald westlich des Wernigeröder Ortsteils Hasserode befand sich einst ein bedeutendes Augustinerkloster. Es wurde im Jahre 1253 von Ritter Dietrich von Hartesrothe gestiftet und entwickelte sich bald vor allem um den Himmelfahrtstag zum Wallfahrtsort. Die Mönche lebten hauptsächlich vom Weinanbau und von der Fischzucht. Im August des Jahres 1517 hielt sich Martin Luther im Kloster Himmelpforte auf. Vier Jahrhunderte später errichtete man deshalb dem großen Reformator einen Gedenkstein. Dieser Lutherstein befindet sich etwas versteckt im Wald südwestlich der einstigen Klostergebäude. Jährlich am Himmelfahrtstag wird unterhalb des Steins ein Gottesdienst abgehalten und damit an den uralten Brauch der Wallfahrten angeknüpft. Im Jahre 1525 stürmten aufständische Bauern das Kloster, plünderten und beschädigten es und vertrieben zeitweilig die Mönche. Das Kloster bestand noch eine gewisse Zeit danach, erreichte aber nie wieder seine vorherige Blüte. Die Gebäude begannen zu verfallen und ab dem 18. Jahrhundert wurden die Steine als Baumaterial verwendet. Heute sind nur noch wenige Reste der Grundmauern erhalten. Im Tal unterhalb des ehemaligen Klosters Himmelpforte befinden sich auch in unseren Tagen noch zahlreiche Fischteiche, welche einst von den Augustinermönchen angelegt wurden. Der sich nordöstlich der einstigen Wirkungsstätte der Mönche erhebende Berg trägt bis heute den Namen Weinberg. Seit einigen Jahren gehört das Kloster Himmelpforten zu den Stationen auf dem Harzer Klosterwanderweg.

Nördlich der Altstadt von Wernigerode befindet sich auf dem Areal des Bürgerparks eine einzigartige Attraktion: Hier stehen auf einer Fläche von etwa 1,5 Hektar zahlreiche originalgetreue Nachbauten bekannter Bauwerke und anderer Sehenswürdigkeiten der Harzregion im Maßstab 1:25. Die Modelle entstanden mit viel Liebe bis ins allerkleinste Detail in mühevoller Handarbeit. Zum Einsatz kamen u.a. originalgetreue Farben, welche die Gebäude täuschend echt wirken lassen. Insgesamt wurden bisher mehr als 1 Million Arbeitsstunden in die Bauwerke des \“Kleinen Harzes\“ investiert. Allein für das Modell des Wernigeröder Schlosses benötigten die Arbeiter mit all den filigranen Einzelheiten bislang rund 68.000 Stunden. Aus diesem Grund läßt sich diese Ausstellung andernorts praktisch nicht reproduzieren. Der Beginn der Arbeiten am ersten Modell erfolgte im März des Jahres 2006. Die ersten fertigen Stücke wurden zunächst in einer Einkaufspassage im Stadtzentrum von Wernigerode der Öffentlichkeit präsentiert. Im Mai 2009 existierten dann genug Exponate, um den Miniaturenpark eröffnen zu können. Die mit viel Aufwand erschaffenen Nachbauten stehen heute inmitten einer reizvollen Gartenlandschaft mit interessanten gestalterischen Akzenten. Diverse freie Flächen künden von der Unvollendetheit des \“Kleinen Harzes\“. Zur Zeit sind verschiedene weitere Modelle in Arbeit. Diese sollen die genannten bestehenden Lücken in den kommenden Jahren nach und nach ausfüllen. In Planung sind außerdem noch zahlreiche weitere bedeutende und den Harz repräsentierende Gebäude. Trotz der Bezeichnung \“Kleiner Harz\“ sind die hier ausgestellten Modelle teilweise recht groß. So mißt z.B. die Antenne auf dem Brockengipfel im Modell rund 5 Meter in der Höhe, das Schloß Wernigerode weist Außenmaße von ca. 5 mal 6 Metern auf und die Nachbildung des Doms St. Stephanus zu Halberstadt ist 4,70 Meter lang, 2,20 Meter breit und 3,80 Meter hoch. Ein Besuch im Miniaturenpark \“Kleiner Harz\“ ist sehr lohnenswert. Schon heute gehört er zu den ganz großen Touristenattraktionen in der an Sehenswürdigkeiten ohnehin reich bedachten Stadt Wernigerode. Sie sollten ruhig etwas mehr Zeit einplanen, um die Modellbauten und ihren Detailreichtum in Ruhe einwirken zu lassen. Der \“Kleine Harz\“ hat witterungsbedingt nur im Sommerhalbjahr im Zeitraum von Mai bis Oktober geöffnet.

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