Zorge

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Im Verlauf des 19. Jahrhunderts entwickelte sich der Ort Zorge zu einem bedeutenden Industriestandort. Probleme bereitete aber zunehmend die schlechte Anbindung an die Verkehrsinfrastruktur, d.h., der fehlende Bahnanschluß. Die schwergewichtigen Endprodukte der Zorger Betriebe mußten mühsam mit von Pferden gezogenen Fahrzeugen über die mit heutigen Verhältnissen nicht vergleichbaren Straßen transportiert werden. Nach der Eröffnung der Bahnstrecke Nordhausen – Northeim im Jahre 1869 kam auch der Gedanke eines Bahnanschlusses für den Ort Zorge auf. Zunächst gingen die Überlegungen hin zu einer der im Harzgebiet üblichen Schmalspurbahnen mit 1000-Millimeter-Gleis. Diese sollte von Ellrich über Zorge bis nach Benneckenstein führen und hätte dort eine Verbindung zur Harzquerbahn gehabt. Doch diese Pläne wurden nie realisiert. Erst relativ spät gründete sich im Mai des Jahres 1906 eine Eisenbahngesellschaft (Kleinbahn AG Ellrich-Zorge, später Eisenbahn AG Ellrich-Zorge), welche einen Anschluß Zorges an das bestehende Schienennetz herstellen wollte. Geplant wurde nun eine Stichbahn von Ellrich nach Zorge mit Normalspurgleis. Noch im Oktober des gleichen Jahres begannen die Bauarbeiten an der 7,3 Kilometer langen Strecke. Bereits im August des Folgejahres nahm die Kleinbahn ihren Betrieb auf. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges war auch das Schicksal der Eisenbahnlinie besiegelt. Etwa auf halber Strecke wurde das Gleis durch die innerdeutsche Grenze getrennt. Der Bahnhof Zorge war dadurch vollständig vom übrigen Eisenbahnnetz abgeschnitten und somit seiner Funktion beraubt. Auf DDR-Seite wurde das verbliebene Gleisstück noch für den Werkbahnverkehr zu einer Gießerei in unmittelbarer Grenznähe genutzt. Nach dem Ende der DDR schloß die Gießerei und auch der letzte Teilabschnitt der Kleinbahn Ellrich-Zorge wurde stillgelegt. Bemühungen, die alte Trasse für touristische Zwecke zu nutzen, waren nicht erfolgreich. In der Folgezeit baute man auch das verbliebene Gleisstück ab. Die Aktionäre der formal noch existierenden Bahngesellschaft beschlossen im Jahre 2003 auf der ersten und einzigen Versammlung nach dem Zweiten Weltkrieg die Selbstauflösung der Eisenbahn Aktiengesellschaft Ellrich-Zorge.

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Die Zorge besitzt zwei Hauptquellflüsse, den Sprakelbach und den Großen Wolfsbach, welche sich im Ort Zorge vereinen und somit den gleichnamigen Fluß bilden. Das Wasser dieses wilden und durch keinerlei Staustufen gebremsten Gebirgsflusses bewegt sich talwärts auf Ellrich am südlichen Harzrand zu, um sich anschließend in südöstlicher Richtung in die Südharzer Karstlandschaft zu ergießen. Bei Woffleben mündet der bedeutende Zufluß Wieda in die Zorge. Weitere größere Nebenflüsse sind die nordwestlich von Woffleben einmündende, aus Sülzhayn kommende Sülze sowie die aus Ilfeld heranströmende Behre, welche in Niedersachswerfen in die Zorge fließt. Diese wiederum biegt hier nach Süden ab, durchquert die Kreisstadt Nordhausen und vermischt ihr Wasser bei Heringen mit dem der Helme.

\"Stempelstelle

Das „Pferdchen“ (ca. 430 m ü NN) ist ein Aussichtspunkt hoch über der Südharzgemeinde Zorge. Das Pferdchen wurde von unseren Wanderfreunden in 2013 zur schönsten Stempelstelle gewählt. Das liegt zum einem an dem wunderbaren Blick über Zorge, zum anderen aber auch daran, dass der Pavillon stets sehr gepflegt vorgefunden wird. Der beste Ausgangspunkt ist der Kurpark im Zentrum von Zorge. Man folgt dem ausgeschilderten, stetig ansteigenden Weg durch das Steigertal und erreicht dann über einen relativ steilen Pfad den Aussichtspunkt Pferdchen. Man kann die Wanderung über die HWN 160 Helenenruh und die HWN 163 Bremer Klippe fortsetzen und über den Grubenweg am „Nordhäuser Blick“ vorbei nach Zorge zurückkehren.

Die ehemalige innerdeutsche Grenze verlief mitten durch die beiden Stämme der Zweiländereiche im Ellricher Stadtwald. Ein günstiger Ausgangspunkt ist der Parkplatz am Eingang des Stadtwaldes. Von dort erreicht man über den „Spitzen Winkel“ und wandert auf dem „Harzer Grenzweg“ auf der ehemaligen innerdeutschen Grenze vorbei an historischen Grenzsteinen zur „Zweiländereiche“.

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Am Ende des Limbachtals im Ellricher Stadtwald liegt der Rote Schuss (505 m ü. NN). Zum Tal hin fällt er so steil ab, dass man den roten Porphyrit des Berges erkennen kann. Vielleicht hat der Berg daher seinen Namen, doch in Ellrich und Zorge erzählen die Leute eine andere Geschichte: „Vor einigen hundert Jahren lebte in Ellrich ein berüchtigter Wilderer. Lange Zeit versuchten die Förster vergebens, ihn bei seinem verbrecherischen Handwerk zu überraschen. Eines Tages wurde nach Ellrich ein junger Jäger versetzt, welcher sich vornahm, nicht eher zu ruhen, bis er den Wilderer unschädlich gemacht hätte. Er überraschte den Wilddieb im Walde, gerade als dieser mit dem Ausweiden eines Rehbockes beschäftigt war. Der Wilderer, der sich nicht ergeben wollte, streckte den Jäger mit einem Schuss nieder. Die Erde trank das unschuldig vergossene Blut und der ganze Berg errötete ob dieser Freveltat für alle Ewigkeit.“ Der beste Ausgangspunkt für eine schöne Rundwanderung ist der Parkplatz am Ellricher Stadtwald. Von dort wandert man zunächst über den beschilderten Weg zum „Roten Schuss“ und weiter zur Wendeleiche HWN 165, zur Stiefmutter HWN 164 und abschließend zur Sonderstempelstelle „Zweiländereiche“. Der Harzklub hat diesen Wege sehr gut ausgeschildert. Der Rote Schuss wurde von unseren Wanderfreunden zur Schönsten Stempelstelle 2008 gekürt.

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Die Wendeleiche ist ein Aussichtspunkt zwischen Zorge und Sülzhayn. Ihren Namen verdankt die Eiche einer Wendeltreppe, welche man Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut hatte um die in der Krone der Eiche errichtete Aussichtsplattform zu erreichen. Da die Eiche nur wenige Meter von der ehemaligen innerdeutschen Grenze entfernt stand, bauten die DDR Grenztruppen die Wendeltreppe und die Aussichtplattform zurück. Heute erinnern nur noch zwei rostige Eisenkonstruktionen an die Wendeltreppe. Vom Parkplatz am Kurhaus in Zorge führt der beschilderte Bergwiesenweg über die Wendeleiche zur Stiefmutter HWN 164. Von dort aus kann man auch gut die Stempelstelle „Roter Schuss“ HWN 90 in die Tour einbinden.

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Die Wegkreuzung „Stiefmutter“ liegt oberhalb der Hundertmorgenwiese im Elsbachtal bei Zorge. Die Harzer Bergwiesen zeichnen sich durch eine einmalige Pflanzenartenvielfalt aus und gelten als botanische Kostbarkeiten. Sie sind durch eine uralte Bewirtschaftungsweise entstanden, indem sie als wertvolles Futter für den Winter immer ab dem 24. Juni (Johanni) gemäht und zu Heu getrocknet wurden. Mit der Aufgabe der Landwirtschaft in den kleinen Harzorten verschwanden auch die Bergwiesen. Die Erhaltung dieser durch die EU geschützten Bergwiesen hat sich die Landesforstverwaltung Niedersachsen zur Aufgabe gemacht. Sie erhält die vorhandenen Bergwiesen durch fachgerechte Pflege und Nutzung und rekultiviert ehemalige Bergwiesen durch Entnahme von Bäumen und anschließende Pflege. So wurden z.B. auf der Hundertmorgenwiese im Jahr 2005 über 2.000 Bäume gefällt und die Wiesenfläche um 25 ha vergrößert. Vom Parkplatz am Kurhaus in Zorge führt der beschilderte Bergwiesenweg über die Wendeleiche HWN 165 zur Stiefmutter. Von dort aus kann man auch gut die Stempelstelle „Roter Schuss“ HWN 90 in die Tour einbinden.

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